
Allgemeines:
Die Ursprünge der Kirche St. Franziskus gehen auf eine Stiftung des spƤten 16. Jahrhunderts zurück. Die damalige Hofmarktsherrin Jakoba von Weichs widmete die Kirche zu Ehren des Heilgen Kreuzes, der Himmelfahr MariƤ und des Hl. Franziskus von Assisi. Der Sakralbau wurde ƶstlich vom SchloĆ nahe des Waldes āHeimardā, heute Heimat genannt, errichtet. Am 05. Mai 1594 wurde St. Franziskus vom Augsburger Weihbischof Sebastian Breuninger geweiht. Gleichzeitig mit der Kirche entstanden für die dort tƤtigen Franziskaner-Mƶnche ein Hospitz und ein Eremitorium, eine Einsiedelei. Zwischen dem HofmarktschloĆ und St. Franziskus stand zudem die kleine Kapelle St. Maria Magdalena.
Ćber das Aussehen dieser ersten St Franziskuskirche gab es bislang keine Hinweise. Der Umfang der Zerstƶrung bei dem groĆen Schwedeneinfall von 1632 war bislang nicht geklƤrt. Vermutungen ob und wieviel von der alten Bausubstanz in der überlieferten Kirche enthalten sind, welche Mauern neu, welche alt sind, war bisher nicht gesichert. Schriftliche Belege wie Maurer- oder Zimmererrechnungen existieren nicht mehr.
Die heutige Kirche St. Franziskus wird in den Kunstinventaren der 2. HƤlfte des !7. Jahrhunderts zugeordnet. Diese Zuordnung basiert auf einer stilistischen Einordnung der Innengestaltung wie die Stuckdekoration des Chorraumes und des Hochaltars. Bekannt ist, daĆ 1644 das SchloĆ und die Kirche an das Kloster St. Ulrich in Augsburg verkauft wurden. Der Kauf- und Quittungsbrief wurde ā so hat Steichele herausgefunden ā erst am 05. Jannuar 1656 ausgefertigt. Daraus folgte bislang, daĆ die Benediktiner von St. Ulrich erst danach mit der Wiederherstellung begonnen haben.
Eine jüngst durchgeführete naturwissenschaftliche Untersuchung der Fälldaten der in den Dachwerken und Deckenbalken verwendeten Hölzer ergab weitere Erkenntnisse. Danach wurde bei der Deckenbalkenanlage über dem Langhaus Bauholz verwendet, das 1598 geschlagen wurde. Alle Hölzer über dem Chor, Deckenbalken und Dachwerk, stammen von 1624, das Dachwerk über dem Langhaus von 1846.
Der AuĆenbau
St. Franziskus ist eine Saalkirche mit eigezogenem, halbrund geschlossenem Chor. Wie auf dem Wening-Stich (um 1700) zu sehen ist, besaà die ertste Fassung des späten 17. Jahrhunderts einen Dachreiter zwischen Chor und Langhaus. Im Dachgeschoà ist noch die Unterkonstruktion für den Dachreiter zu erkennen. Erste 1876 wurde an der Südseite ein rechteckiger Turm mit oktogonalem Aufbau und Spitzhaube gebaut. An der Nordseite steht die Sakristei mit dem Zugang zum Dachwerk.
Ursprünglicher Zugang zur Kirche waren 2 AuĆenportale im Süden und Norden des Langhauses. Noch heute sind die ehemaligen Portale als Mauervorlagen vorhanden. Die überlieferte Gestaltung der ehemaligen EingƤnge mit den gebohrten Prifilen und dem daraufliegenden GebƤlk ist jedoch eher in der Zeit um 1600 hƤufig anzutreffenden Motiv für Tür- und Fensterrahmungen. Sie sind stilistisch dem ersten Bau von St. Franziskus zuzuordnen. Der Eingang liegt jetzt im Westen des Langhauses.
Bei den jüngsten Restaurierungsarbeiten von 1982 wurde an der südlichen Kirchenschiffsseite, in Hƶhe der Kanzel ā auch Predigtstuhl genannt ā eine Aussparung im Mauerwerk gefunden. Hier befand sich früher ein Ćbergang zu den ehemaligen HospitzgebƤuden. Ćhnliche ĆbergƤnge zwischen Kirchen und ProfangebƤuden finden sich in Grafrath, Wallfahrtskirche zum Hl. Rasso oder auch in Leitheim zwischen der ehemalige Sommerresidenz der Zisterzienser und der SchloĆkirche. In St. Franziskus diente dieser Ćbergang zum einen als direkter Weg zum KlostergebƤude zur Kirche; zum anderen konnte wƤhrend eines Wallfahrtsgottesdienstes vom Ćbergang ins Freie gepredigt werden, da die kleine Kirche nur begrenzt aufnahmefƤhig war. Es ist dies ein Beleg, daĆ es sich beim Mauerwerk mit der Aussparung um einen Bestand der Kirche des spƤten 16. Jahrhunderts handelt, da von der Gründung bis zum Auszug der Mƶnche 1609 die KlostergebƤude stƤndig genutzt waren. Das KlostergebƤude wurde erst 1964 abgetragen.
Der Innenraum
Das Langhaus ist flach gedeckt, ohne Deckenbild oder Stuckdkoration. Lediglich eine umlaufende Stuckleiste ziert die Decke. Ćber dem Eingang befindet sich die Empore mit einer Schrankorgel mit drei Registern. Technische Bauweise der Orgel und Gestaltung der Orgel lassen auf eine Entstehungszeit um 1730 schlieĆen; Orgelbauer oder Herkunftsort sind nicht bekannt. Die Kanzel ist hier auf der rechten Saalseite und wurde wie die beiden SeitenaltƤre um 1793 geschaffen.

Der rechte Seitenaltar zeigt ein sogenanntes Rosenkranzbild mit Maria, dem Jesusknaben und Franz von Assisi und weist somit auf die im August 1678 von den Augsburger Dominikanern in Dasing eingeführte Erzbruderschaft des Hl. Rosenkranzes hin.

Die Deckenwƶlbung des Chores ist reich stuckiert: um eine Rosette in der Mitte ist ein Lorbeerkranz geschwungen, an den Enden Frauen-halbfiguren, dazwischen Fruchtgirlanden und Rosetten. Der Decken-rand ist von ProfillƤufen mit antikisierenden Perlschnüren und BlattlƤufen geschmückt. Charakterisiert als Wessobrunner Schule lƤĆt sich die Stuckierung des Chores in eine Entstehungszeit von 1675 ā 1685 einordnen. Hingewiesen sei hier auf die Stuckarbeiten in der Stadtzpfarrkirche von Pfaffenhofen a.d. Ilm (1671 / 72) und in der Klosterkirche von Kübach (1687 / 88). Stilistisch liegt die Stuckdecke von St. Franziskus zwischen den Arbeitenvon Pfaffenhofen und Kübach. In diesen beiden Kirchen arbeitete der Wessobrunner Stuckateur Matthias Schmuzer (1636 ā 86). Nach 1667 war Schmuzer für die Benediktiner im KlostergebƤude von St. Ulrich und Afra in Augsburg tƤtig. Mit KrƤftigen Rahmen, Früchten, Rosetten und Engelskƶpfen stuckierte er dort einen Teil des Kreuzganges im Westflügel.



Der Hochaltar im Chor stammt ebenfalls aus der Zeit um 1700. Das Bild in der Mitte zeigt die Stigmatisation des Hl. Franziskus. Die Seitenfiguren sind rechts die Hl. Afra und links der Hl. Ulrich. Sie weisen auf den Patronatsherren, das Reichsstift St. Ulrich und Afra in Augsburg hin.
Während die Wandgliederunge in Langhaus und Chor einheitlich ist, unterscheiden sich die beiden Deckengestaltungen. Im Chor gibt es wie gesagt, eine aufwendige Stuckierung, Im Langhaus nur einen einfachen Rahmenstock. Hier sind unterschiedliche Entstehungszeiten, sog. Bauphasen, vorhanden, die auch an den Dachkonstruktionen über Chor und Langhaus zu erkennen sind. Der Dachstuhl über dem Chor trägt Rötelzeichen, der Dachstuhl über dem Langhaus hat Kerben als Markierung für die Balkenstellung und -zuordnung.
Zusammenfassung
Aus den vorbeschriebenen Erkenntnissen ergibt sich für St. Franziskus folgende Bau und Entstehungsgeschichte: Der überlieferte Kirchenbau entspricht noch weitgehend der Gründungsanlage des späten 16. Jahrhunderts. Die belegte Weihe von 1594 bezieht sich offensichtlich nicht auf den fertigen Bau, da die Deckenbalken über dem Langhaus erst 1598 geschlagen und wahrscheinlich erst frühestens ein Jahr darauf verarbeitet wurde. Ob das Dachwerk über dem Chor erst um 1625 aufgerichtet oder bereits erneuert werden musste, ist nicht geklärt. Nicht geklärt ist ebenfalls der Zerstörungskraft während des weiteren 30-jährigen Krieges. Offensichtlich blieb die Baukonstruktion jedoch im wesentlichen erhalten. Um 1680 wurde die Stuckdecke im Chor neu gestaltet. Um 1846 wurde das Dachwerk über dem Langhaus aus bisher unbekannten Gründen ausgetauscht. Anders als bislang vermutet ist damit der überlieferte Kirchenbau mit der nun 400-jährigen Stiftung identisch.
(Quellen: Denkschrift zu ā400 Jahre St. Franziskus 1594 ā 1994ā)




